06.07.2026

Im Rahmen des Jahrestreffen 2026 des Arbeitskreis Politische Ästhetiken spricht DiasporaOst über antifaschistischer DDR-Literatur
Aspekte antifaschistischer DDR-Literatur bei Christa Wolf, Karl Mundstock, Fred Wander und Norbert Marohn. Diskussion und Gespräch mit Lukas Betzler, Jonas Haug, Tim Preuß, Pauline Schubert und Franziska Haug
Die DDR wurde als antifaschistischer Staat gegründet; viele der Schriftsteller*innen, die sich mit ihrer Literatur am Aufbau dieses Staates beteiligten, waren während des Nationalsozialismus als Antifaschist:innen verfolgt und/oder ins Exil gezwungen worden. So entstand in der DDR ein einmaliges Korpus antifaschistischer Literatur, die den Faschismus bzw. den Kampf gegen ihn nicht nur zu ihrem Gegenstand machte, sondern auch nach den Kriterien einer antifaschistischen Ästhetik fragte.
Der DDR-Antifaschismus war allerdings von eklatanten Widersprüchen durchzogen. Er führte zur (im Vergleich zur BRD) relativ konsequenten juristischen Verfolgung von NS-Verbrechern, als Staatsdoktrin diente er aber auch dazu, die große Mehrheit der deutschen Bevölkerung zu entlasten, die SED-Herrschaft zu legitimieren und ihr breite Loyalität zu sichern – Anetta Kahane sprach rückblickend von der „Antifaschismusfalle“. Der Bezug auf den Antifaschismus ermöglichte es der DDR außerdem, sich von Schuld, Verantwortung und Haftung für die vom NS begangenen Verbrechen freizusprechen. Und schließlich hatte der Faschismusbegriff von Beginn an die Tendenz, die Shoah, die in die sozialistische Geschichtsphilosophie nicht zu integrieren war, und den auch in der DDR noch virulenten Antisemitismus, wie er sich drastisch in den antisemitischen Kampagnen 1952/53 zeigte, zu verdrängen.
Die antifaschistische Literatur der DDR ist von diesen Widersprüchen nicht nur bestimmt, sondern setzte sich mit ihnen vielfach auch aktiv auseinander. Wir wollen in unserem Panel in einer offenen, dialogischen Form eine Auswahl antifaschistischer Texte vorstellen, ihre Entwürfe einer antifaschistischen Ästhetik diskutieren, sie nach ihrem Verhältnis zum staatlichen Antifaschismus hin befragen und nach den Resonanzen suchen, die die Widersprüche und Auseinandersetzungen dieser Literatur in der Gegenwart finden.
Mit Lukas Betzler, Jonas Haug, Tim Preuß, Pauline Schubert und Franziska Haug
Info:
10. Juli 2026 11:30 Uhr im Brecht Haus
Chausseestraße 125, 10115 Berlin
Zum vollständigen Tagungsprogramm geht es hier:
06.07.2026

Aspekte antifaschistischer DDR-Literatur bei Christa Wolf, Karl Mundstock, Fred Wander und Norbert Marohn. Diskussion und Gespräch mit Lukas Betzler, Jonas Haug, Tim Preuß, Pauline Schubert und Franziska Haug
Die DDR wurde als antifaschistischer Staat gegründet; viele der Schriftsteller*innen, die sich mit ihrer Literatur am Aufbau dieses Staates beteiligten, waren während des Nationalsozialismus als Antifaschist:innen verfolgt und/oder ins Exil gezwungen worden. So entstand in der DDR ein einmaliges Korpus antifaschistischer Literatur, die den Faschismus bzw. den Kampf gegen ihn nicht nur zu ihrem Gegenstand machte, sondern auch nach den Kriterien einer antifaschistischen Ästhetik fragte.
Der DDR-Antifaschismus war allerdings von eklatanten Widersprüchen durchzogen. Er führte zur (im Vergleich zur BRD) relativ konsequenten juristischen Verfolgung von NS-Verbrechern, als Staatsdoktrin diente er aber auch dazu, die große Mehrheit der deutschen Bevölkerung zu entlasten, die SED-Herrschaft zu legitimieren und ihr breite Loyalität zu sichern – Anetta Kahane sprach rückblickend von der „Antifaschismusfalle“. Der Bezug auf den Antifaschismus ermöglichte es der DDR außerdem, sich von Schuld, Verantwortung und Haftung für die vom NS begangenen Verbrechen freizusprechen. Und schließlich hatte der Faschismusbegriff von Beginn an die Tendenz, die Shoah, die in die sozialistische Geschichtsphilosophie nicht zu integrieren war, und den auch in der DDR noch virulenten Antisemitismus, wie er sich drastisch in den antisemitischen Kampagnen 1952/53 zeigte, zu verdrängen.
Die antifaschistische Literatur der DDR ist von diesen Widersprüchen nicht nur bestimmt, sondern setzte sich mit ihnen vielfach auch aktiv auseinander. Wir wollen in unserem Panel in einer offenen, dialogischen Form eine Auswahl antifaschistischer Texte vorstellen, ihre Entwürfe einer antifaschistischen Ästhetik diskutieren, sie nach ihrem Verhältnis zum staatlichen Antifaschismus hin befragen und nach den Resonanzen suchen, die die Widersprüche und Auseinandersetzungen dieser Literatur in der Gegenwart finden.
Mit Lukas Betzler, Jonas Haug, Tim Preuß, Pauline Schubert und Franziska Haug
Info:
10.07.2026 18:15 Uhr im Brecht Haus
Chausseestraße 125, 10115 Berlin
Zum vollständigen Tagungsprogramm geht es hier:
“Stellt Euch vor es ist Sozialismus und keiner geht weg.”
Christa Wolf
“Stellt Euch vor es ist Sozialismus und keiner geht weg.”
Christa Wolf
“Stellt Euch vor es ist Sozialismus und keiner geht weg.”
Christa Wolf
“Stellt Euch vor es ist Sozialismus und keiner geht weg.”
Christa Wolf